Kultur
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![]() Mitteilungen des Verbandes der Hermann-Löns-Kreise in Deutschland und Österreich e. V. Geschäftsstelle: Hermann-Löns-Straße 8, 29664 Walsrode, Tel. 05161/977 219 Allgemeiner Teil Löns-Woche 1998
Wolfgang Buhr hielt Festrede: "Hermann Löns - Was bedeutet er uns auf den Stufen in ein neues Jahrtausend?" 1. Vors. Dr. Ernst-Wilhelm Bussmann
konnte bei herrlichem Wetter viele Gäste zur Feierstunde am Löns-Grab
begrüßen. In diesem Jahre hat auch wieder eine Abordnung der
Reservisten teilgenommen. Ehrenlandrat Wolfgang Buhr hielt eine hervorragende
Festrede zum o. a. Thema. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Gemischten
Chor Eintracht Hodenhagen unter Leitung von Dieter Schwarze und vom Bläserchor
der Jägerschaft Fallingbostel unter Leitung von Günter Pirschalek.
Gemischter Chor Eintracht Hodenhagen, Leitung: Dieter Schwarze Wolfgang Buhr war bei der Beschäftigung mit dem Vortragsthema etwas bewegt davon, daß der Verband der Hermann-Löns-Kreise in Deutschland und Österreich in diesem Jahr an der Anbringung einer Gedenktafel für Hermann Löns in Deutsch Krone mitgewirkt hat. Er dankte für dieses Engagement, weil er in anderer Funktion an den ersten zögernden Schritten der Begegnung von Deutschen und Polen mitgewirkt hat. Freundschaften unter Völkern entstehen nicht dadurch, daß "Bonzen in Schweinsleder gebundene Verträge austauschen." Menschen müssen sich begegnen und dabei wird auch ein Stück deutscher Kultur bewahrt. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, aus der Distanz, aber mit Herz und mit Blick nach vorne über Löns zu sprechen. In Abänderung eines Wortes von Nietzsche über Wagner hätte er die Kurzfassung "Löns ist so gut, wie der Gebrauch, den man von ihm macht" wählen können. Wenn auch wirklich schon alles gedacht und jeder Winkel ausgeleuchtet ist, müßte einiges doch auch 1998 wiederholt werden. Er wies zunächst jene "erbärmlichen und durchsichtigen Versuche", Löns in eine bestimmte Kiste zu stecken, zurück. Dazu zählt er zwar nicht die schriftstellerische und literarische, sondern mehr die für die eigenen Interessen instrumentalisierte Absicht seiner Gegner. Die Stichworte sind: Heimat, Hasen, Heide und Hurra-Patriotismus. Infam bezeichnete er insbesondere die Vorwürfe, daß Löns zu den Wegbereitern der schlimmsten Zeit unseres Volkes gehöre. Dieses ist nicht "mit einem einzigen Wort aus dem Wort und Schaffen des Dichters zu belegen". Im Werk von Löns gibt es aber Zeugnisse ehrlicher Vaterlandsliebe. Er bedauerte, daß im "Ewigen Brunnen", eine Sammlung deutscher Gedichte, nur noch die "volkstümlichen" und nicht die wirklich literarischen Gedichte zu finden sind. Ganz besonders fordert aber zum Handeln heraus, daß in Neuauflagen des Volksbrockhauses und anderer Lexika der Name Löns nicht mehr auftaucht. Aus heutiger Sicht wissen wir, daß
Löns, wie jeder Mensch, "gezweifelt, gelebt, vor Glück trunken
und verzweifelt war". "Wen die Götter lieben, den holen sie bald zu
sich." Buhr fragte, ob Seneca Löns gemeint habe, wenn er sagt, Leben
sei dann lang, wenn es erfüllt ist. Was erfüllt uns und bewegt
uns nun auf den Stufen in dieses vor uns liegende neue Jahrtausend? "Seien
wir ganz ehrlich: Löns war nicht nur Dichter, auch Schriftsteller
und Journalist und hat täglich nicht nur gelebt, sondern war hin-
und hergerissen zwischen seiner Begabung und dem Zwang, auch schreiben
zu müssen." Fontane, Schubert und Haydn haben auch nicht nur für
die Ewigkeit geschrieben, auch sie mußten leben, so daß man
vieles als Tagwerk bezeichnen kann. Mit Dr. Brandes, dem Festredner des
Jahres 1995, warnte Buhr eindringlich davor, in Schablonen zu denken. Löns
als begnadeter Dichter von Landschafts- und Tierwelt darf nicht uminterpretiert
werden in denjenigen, der für die von der Gesellschaft geschiedenen
Partei nimmt, den Klerus und die Justiz anklagt. Buhr griff auch die landläufigen
Assoziationen der Leser auf, wenn sie den Namen Löns hören. Für
ihn jedenfalls ist er ungleich origineller, differenzierter, witziger,
als oft dargestellt. "Löns konnte Freiheit träumen, gerade aus
der Position eines Wertkonservativen heraus. Er war ein komplizierter Rationalist
und Idealist." Nicht erst seit seiner Rede "Der Naturschutz oder die Naturschutzphrase"
in Bremen 1911, sondern schon seine Äußerungen davor weisen
ihn als Visionär im Aufzeigen von Konflikten wirtschaftlicher Entwicklungsnotwendigkeiten
und vernüftigem Naturschutz aus.
1. Vors. Dr. Bussmann und 2. Vors. Seidel bei der Kranzniederlegung Als eine wichtige Aufgabe sieht Buhr an, eine neue Edition der Löns-Werke aufzulegen, die den ganzen, nicht nur den vertrauten, sondern auch den anderen Löns zeigt. Er sah sich nicht in der Lage, einem hoffentlich kommenden Verleger Arbeit und Ideen abzunehmen. Auf alle Fälle sollten in dieser Edition seine Balladen, seine unglaublich schönen Essays, z. B. über Wilhelm Busch, und manche Persiflage über den Überwachungsstaat mit seiner Regulierungswut enthalten sein. Auch dürften manche Gedichte, die Stil und Inhalt haben, nicht vergessen werden. Buhr ist davon überzeugt, daß Löns auf Dauer nur dann noch ein wirksamer "Exportartikel für seine Heide" sein wird, wenn es gelingt, die bewahrenswerten Teile seiner Arbeit lebendig zu halten. Löns ist kein Marketing-Artikel, Löns hat seinen Platz in der Literatur. Dem Wirken des Löns-Verbandes und der ihm angeschlossenen Löns-Kreise bis nach Österreich dankte er für die Arbeit. Sie haben begriffen, daß es nur gelingt, Löns zu bewahren, wenn sich auch die Jugend dieses Erbes annimmt. "Löns ist so gut, wie der Gebrauch, den man von ihm macht." Diesem Wort sah sich der Festredner verpflichtet. "Es macht mehr Spaß, den Fernseher auszuschalten und ein Buch von Hermann Löns immer wieder in die Hand zu nehmen." 1. Vors. Dr. Ernst-Wilhelm Bussmann bedankte sich herzlich bei allen, die sich an der Ausgestaltung der Feierstunde beteiligt haben. Sein besonderer Dank galt dem Festredner mit folgenden Worten: "Eigentlich ist alles gesagt, aber leider noch nicht von jedem." Herr Ehrenlandrat Buhr, daß muß von mir noch gesagt werden: Dank an den Löns-Freund Wolfgang Buhr! Sie haben eine Lanze für Hermann Löns geschlagen, ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen - wohlgemerkt jemandem, der sich gegen Verunglimpfung und Verleumdung nie wehren konnte. Herr Buhr, Ihre Rede war nicht nur schön, sie war gut. Wir danken Ihnen!" Der Vortrag wird in der Schriftenreihe
"Höret!" erscheinen und voraussichtlich in der Jahreshauptversammlung
des Löns-Kreises Lüneburger Heide am 10.10.1998 vorgestellt.
Bei Interesse an einer entgeltlichen Zusendung (3,-- DM/Stck) wenden Sie
sich bitte an die Geschäftsstelle. Die Zusendung wird mit Heft 4/98
der "Hermann-Löns-Blätter" ohne Porto erfolgen. Wer das "Höret!"-Heft
dauerbestellt hat, erhält den Vortrag selbstverständlich ohne
erneute Bestellung zugesandt.
Gerhard Zahmel
Pulkauer Hermann-Löns-Feier des Österreichischen Hermann-Löns-Kreises Am Samstag, 29. August, fand wieder
in Pulkau am Heidberg beim "Lönsstein" unsere jährliche Löns-Feierstunde
statt. Das Wetter war uns wieder gut gesinnt. Die Gegend rund um den "Lönsstein"
hat einen eigenen Reiz, der viele Besucher in Bann zieht. Viele Lönsfreunde
aus Deutschland kennen ja schon das Gebiet. Ich konnte wieder viele treue
Lönsfreunde begrüßen, wenn auch so manches liebe Mitglied
vermutlich aus Altersgründen nicht mehr kommen konnte. Es wirkten
mit die Pulkauer Chorvereinigung und die Jagdhornbläsergruppe aus
Pulkau. Dr. Witzmann hielt einen kurzen interessanten Vortrag über
Hermann Löns. Der um eine Stunde vorverlegte Beginn der Feier fand
allgemeine Zustimmung und wird beibehalten. Der Abend klang dann im Gasthof
Angenbauer gemütlich aus.
Harald Cajka
Gedichte von O. Theobald, H. E. A. Koch und G. Betin Im Rahmen der kulturellen Sommer-Woche
der Stadt Walsrode hat sich der Löns-Kreis Lüneburger Heide mit
einem Gedichtabend (1. Teil) und der Löns-Verband mit einem Videofilmabend
(2. Teil) beteiligt.
Nach 8 Jahren legte Theobald (s. Foto) seinen Gedichtband "Auf der Achterbahn" vor. Wie eine Fahrt mit der Achterbahn voller Überraschungen steckt, so sind die Gedichte von Theobald immer wieder in ihrer Aussage sowie Themenstellung überraschend und beeindruckend. Er trug eine Auswahl seiner Gedichte vor, wie z. B. folgendes: Nichts geht verloren Alles verwandelt sich ist irgendwo und -wie wieder zu verwenden Bei den Gegenständen Und bei der Phantasie Alles wird eigentlich wieder geboren
Wir Wir sind Menschen, du und ich, und Zeitgenossen. Wir atmen dieselbe Luft, trinken dasselbe Wasser, lieben dieselben Gestirne. Und beide wollen wir leben. Was also trennt uns? Es ist beabsichtigt, in unserer Gedichtreihe
einen Band mit ausgewählten Werken von Heinz E. A. Koch herauszugeben.
Die Stimme Es ruft der Wald mit seinem Grün das Herz zu Lust und Fröhlichkeit. Am Wiesenrand die Gräser blüh’n, sie grüßen dich voll Zärtlichkeit. Du suchtest lang nach diesem Ruf, Verzweiflung nahm dir fast den Mut, doch diese Macht, die Großes schuf und tief verwurzelt in dir ruht, sie spricht zu dir, will dich versteh’n und deine Schritte sorgsam lenken, will neue Wege mit dir geh’n, Vertrau’n und Zuversicht dir schenken. Nach einer Pause wurde der Abend fortgesetzt
mit dem Videofilm von Brunhild Meyer über den Besuch der Lönsfreunde
in Kulm und Deutsch Krone. Der Bericht hierüber wird mit Teil II des
Reiseberichtes über Kulm kombiniert. Es ist beabsichtigt, Teil II
in Heft 4/98 zu veröffentlichen.
Gerhard Zahmel
Sonderausstellung des Freilichtmuseums am Kiekeberg, Rosengarten-Ehestorf, Ldkr. Harburg "Der stetige Wandel in der Landwirtschaft
und die fast nur noch in Relikten vorhandene Heidebauernwirtschaft bewegten
Prof. Willi Wegewitz Anfang der 50er Jahre zur Gründung des Freilichtmuseums
am Kiekeberg. Zentrale Aufgabe war - und ist es auch heute noch -, Entstehung,
Wandel und Gegenwart dieser Kulturlandschaft mit musealen Mitteln aufzuarbeiten",
so Museumsdirektor Dr. Rolf Wiese vom Kreismuseum des Landkreises Harburg.
Es war somit an der Zeit, auch einmal die Lüneburger Heide darzustellen.
In der Zeit vom 6. Juni bis 27. September 1998 wird die Sonderausstellung
"Ja, grün ist die Heide.... Aspekte einer besonderen Landschaft" gezeigt.
Auf dem Ausstellungsplakat und dem Katalogband ist ein Notgeldschein der
Westholsteinischen Bank, Abteilung Soltau, von 1914 mit einem Löns-Portrait
zu sehen.
Horst Brockhoff M.A. (rechts) und
Wolfgang Doose
Gemeinsam mit wissenschaftlichen Mitarbeitern hat Volkskundler Horst Brockhoff einen sehr sehenswerten Spaziergang durch die Historie der Heidewelt zusammengestellt. "Kaum eine Region ist so schwärmerisch verklärt, aber auch so heftig abgelehnt worden," sagt er und man merkt ihm an, daß ihm die viele Arbeit auch Freude beschert hat. Er setzt alle heutigen Möglichkeiten ein, um die Ausstellung für den Besucher interessant zu machen. Dazu zählen nicht nur Vitrinen mit Modellen, sondern auch ein nachgebautes Eisenbahnabteil, Videovorführungen und Töne aus der Postkutschenzeit (Hallali). Neben einer Heidebeschreibung des Freiherrn von Eichendorff: "Soweit das Auge reicht kein Haus, kein Baum, kein Mensch... überall nichts", ist auch Hans Christian Andersen von der Heidekönigin zur Ausstellungseröffnung aus seiner Erzählung "Die Elfen auf der Lüneburger Heide" aus dem Jahre 1831 (Andersens erste Deutschlandreise) zitiert worden. Selbstverständlich ist auch Hermann Löns in einer Abteilung dargestellt und mit Zitaten vertreten (s. Foto). Heidemuseum Walsrode und Löns-Verband haben mit Leihgaben zur Ausstellung beigetragen. Andersen fuhr noch mit der Postkutsche,
Löns schon mit der Eisenbahn und mit ihm viele Großstädter,
so daß er sagen konnte: "Es regnete Menschen, es hagelte Volk". Am
5. August 1913 mußte z. B. die Bahn 45 Sonderzüge für die
Rückkehr der Besucher aus der Heide nach Hamburg einsetzen.
Ausschnitt aus
Es gibt einen 280seitigen Katalog zur Ausstellung (ISBN-3-927521-34-5, DM 45,--), in dem folgende Themen behandelt werden: Kulturlandschaft Lüneburger Heide; Geschichte, Wirtschaft u. Bevölkerung; Heidebauernwirtschaft; Bauernhöfe; Imkerei; Reiseliteratur und Tourismus; Entdeckung der Heide durch Künstler; Naturschutz; Naturheilkundler Ast. Sehr lesenswert sind die Kapitel: "Eine Hütte für die Wanderfreunde..." von Horst Brockhoff M.A und "Zum Landschaftserlebnis der Heide" von Walter Gröll. Der letztere Artikel zeichnet sich durch seine vielen Zitate der verschiedensten Stimmen zum genannten Thema aus. Natürlich werden auch Hermann Löns’ Gedichte genannt, die später in den Vertonungen von Prof. Fritz Jöde (ohne h) zu Volksliedern wurden. Das Kapitel von Dr. Thomas Dupke: "Mythos Löns. Zur Rezeption einer Zentralfigur der Lüneburger Heide" darf nicht unerwähnt bleiben. Der Unterzeichner, der Dupke seinerzeit in Heft 4/93 hinsichtlich seiner veröffentlichten Doktorarbeit "Mythos Löns, Heimat, Volk und Natur im Werk von Hermann Löns" wegen ihrer Differenziertheit noch positiv rezensieren konnte, muß dieses Mal leider sagen, daß Dr. Dupke den "wahren Löns" entdeckt zu haben glaubt und ihn selber mythisiert. Bis auf den "Frauenheld Löns" läßt er kein Klischee aus und zitiert zum Thema Naturschutz nicht "Der Naturschutz oder die Naturschutzphrase", sondern nur "Naturschutz und Rasseschutz". Auch vermisse ich schmerzlich, daß er im Zusammenhang mit dem Thema "Wehrwolf" das Kriegstagebuch nicht erwähnt. Es muß festgehalten werden, daß die Löns-Biografie noch zu schreiben wäre. Die Ausstellung ist allen und insbesondere
den Lönsfreunden zum Besuch zu empfehlen. Ich hoffe, daß es
dem Walsroder Museumsleiter Dr. Gunther Gerhardt gelingen wird, die Ausstellung
in das Heidemuseum Walsrode zu holen, vielleicht im Jahr 2000.
Gerhard Zahmel
Archiv in Hannover erwarb letzte Postkarte von Löns Um einen Schatz reicher ist das Hermann-Löns-Archiv der Stadtbibliothek Hannover. Von der hannoverschen Staatsanwältin Ingeborg Schell (59) und deren Tochter Frauke (25) konnte sie eine Sammlung von Briefen, Postkarten, Zeichnungen, Fotos und kaum bekannten Veröffentlichungen des Journalisten, Dichters und Naturforschers ankaufen. Darunter als erschütterndes Dokument eine Feldpostkarte, die Löns sechs Tage vor seinem Kriegstod geschrieben hat. Die Karte, eins der letzten Lebenszeichen
des Dichters, ist vom 20.09.1914 datiert und "An Herrn Tierarzt Dr. Dahlgrün"
in Hannover gerichtet. Wilhelm Dahlgrün, Großvater von Ingeborg
Schell, betreute und verarztete Jahrzehnte die Tiere im hannoverschen Zoo
und gehörte zum engen Freundeskreis von Hermann Löns.
Wortlaut und Abdruck der Feldpostkarte
die Löns in Sütterlin-Schrift "vor Reims" verfaßt hat,
wo er am 26. September im Alter von 48 Jahren fiel:
Nach Wilhelm Dahlgrün hatte dessen Sohn Rolf, späterer Bundesfinanzminister (FDP), die Sammlung gehütet. "Als Frau Schell sie uns gezeigt hat,
war ich elektrisiert", erklärte Wiebke Andresen, Direktorin der Stadtbibliothek,
die meint mit ihrem Archiv die größte Sammlung von "Lönsiana"
zu besitzen. Mit einer Spende von
"Wir wollten, daß die Sammlung
zusammenbleibt und an die richtige Stelle kommt", begründete die bisherige
Besitzerin das Angebot.
Rüdiger Knorr
"Neue Presse" vom 18. Juni 1998
Aufruf über Zeit in Gera Heinz-Siegfried Strelow (s. auch Neuerscheinungen) sucht Material über Löns in Gera. Mitte Aug. bis Anfang Sept. 1892 arbeitete er bei der sozialdemokratischen "Reußischen Tribüne" in Gera. Wer aus dieser Zeit über Zeitungsartikel von Löns (oder über Literaturhinweise auf diese Tätigkeit) verfügt, möge sich bitte mit ihm, Wilhelm-Kaune-Weg 25, 31319 Sehnde, Tel./Fax. (05138) 616008, in Verbindung setzen. Bekanntlich ist die Quellenlage über diese Zeit sehr dürftig. Sowohl die "Deutsche Bibliothek" in Frankfurt am Main/Leipzig als auch das Stadtarchiv Gera teilten mit, daß aus dieser Zeit keine Ausgaben der "Reußischen Tribüne" vorlägen. H.-S. Strelow plant, diesen Lebensabschnitt von Löns publizistisch aufzuarbeiten. Eine Hilfe zu diesem Thema könnte das Gedicht "Die rote Nelke" (s. nächste Seite) sein, das Löns’ damalige Weltsicht zum Ausdruck bringt. An dem Arbeitsfeiertage an dem heil’gen ersten Mai, wird vergessen alle Plage - einmal ist der Knecht dann frei. Und die feuerrote Nelke zeigt als uns’rer Röcke Schmuck, daß der Freiheitsdrang nicht welke, trotz des Goldes Kettendruck. Wenn ich einmal sterben werde, früh verbraucht und leiderlöst, wenn mich in die Muttererde der Erwerb des Mehrwerts stößt - dann auf meinem Hügel breitet einen Kranz, an welchem loht rot die Nelke; sie bedeutet der Befreiung Morgenrot. Diese Zeit in Gera hat Löns später
verdrängt. In seiner Autobiographie sagt er dazu: "Im Grunde war es
eine schlimme Zeit. Ich war mit mir nicht zufrieden und andere erst recht
nicht."
Geza
Neuerscheinungen Hinter dem Kronsberg, da liegt noch solche stille Welt
Die Gruppe Sehnde des Heimatbundes
Niedersachsen hat 1997 in Müllingen bei Hannover einen Löns-Gedenkstein
errichten lassen. Das war für Heinz-Siegfried Strelow Anlaß,
die Schrift "Hinter dem Kronsberge, da liegt noch solche stille Welt" herauszugeben.
In diesem Band sind die Landschaftsskizzen "Im Ahltener Bruch" und "Hinter
dem Kronsberge" ediert. Die kurze Erzählung "Auf dem Kronsberge" wurde
zuletzt von Fritz Klein publiziert. Ferner ist in dem Band die Jagderzählung
"Auf der Murke im Großen Freien", die erstmalig in der Zeitschrift
"Niedersachsen" erschienen ist, enthalten. In allen vier Erzählungen
wird den Wäldern zwischen den Dörfern Müllingen, Wirringen,
Wassel, Bilm und Wülferode, sowie den einstmals weiten Grünlandmooren
zwischen Misburg, Anderten, Ahlten, Höver und Lehrte ein literarisches
Denkmal gesetzt. Ferner findet der Leser noch ein Kapitel über die
Spurensuche mit dem Titel "Mit Hermann Löns über den Kronsberg
von heute". Der Band ist sehr lesenswert.
Geza
Heinz-Siegfried Strelow, Hinter dem
Kronsberge, da liegt noch solche stille Welt" - Auf den Spuren von Hermann
Löns im Bockmerholz und "Großen Freien", 50 Seiten, 5 s.w.-Abb.,
Broschüre, 7,80 DM zzgl. Portokosten beim Verfasser, Wilhelm-Kaune-Weg
25, 31319 Sehnde, Tel./Fax. (05138) 616008 oder bei der Geschäftsstelle
des Löns-Verbandes zu beziehen
2 Bücher von Mitglied Roland Girtler
Die Bücher "Wilderer" und "Sommergetreide" von Prof. Dr. Roland Girtler seien den Lesern der "Hermann-Löns-Blätter" empfohlen. Wilderer. Rebellen in den Bergen: Es gibt zwar wilde Leute heute wie die Hardrocker, aber vor nicht all zu langer Zeit gab es noch wildere als diese. Der Wald und die Felsen waren ihre Bühne. Man nennt sie Wilderer oder Wildschütz. Sie nehmen sich das Recht heraus, das die Menschen in dörflichen Gemeinschaften verloren haben. Als Held der "kleinen" Leute, die von den "großen" um ihr altes Recht des freien Jagens gebracht worden sind, stiehlt der Wilderer dem Jagdherrn ein Stück Wild. Indem er ihm ein Schnäppchen schlägt, demonstriert er seine Macht ebenso wie seine Auflehnung gegen die Obrigkeit. Er ist ein Rebell. Roland Girtler hat für sein Buch unzählige Gespräche mit ehemaligen Wilderern, Jägern und Dorfbewohnern geführt. Fast augenzwinkernd erzählt er die Geschichten einer Lebensform, die sich selbst - bedingt durch materiellen Wohlstand - überlebt hat. Das Symbol des "Wildschützes" wirkt allerdings noch bis heute nach. Sommergetreide. Vom Untergang der
bäuerlichen Kultur: Die alte bäuerliche Kultur gibt
es nicht mehr; sie hatte auch keine Überlebenschance. Zu Ende ging
diese Kultur Anfang der 60er Jahre mit dem Abgehen der Bergbauern vom Getreideanbau.
Girtler versucht, aufgrund eigener Beobachtungen - er wuchs als Kind eines
Landarztehepaares (darüber liegt der Sonderdruck vor: Landärzte.
Als Krankenbesuche noch Abenteuer waren) in den oberösterreichischen
Bergen auf - und vieler Gespräche mit alten Bäuerinnen und Bauern,
mit früheren Mägden, Sennerinnen und Knechten, mit alten Briefträgern,
Gendarmen und Wegmachern und sogar dem Kerkermeister eines Bezirksgerichts
das Untergehen der bäuerlichen und dörflichen Kultur nachzuzeichnen.
Alte Techniken, die bei der Heuernte, beim Dreschen, beim Umgang mit Pferden
usw. zum Einsatz kamen, werden wieder lebendig.
Gerhard Zahmel
Sommergetreide. Vom Untergang der bäuerlichen Kultur, 388 Seiten mit 18 s.w.-Abb., 298 öS, 39,80 DM, 39,80 sfr, ISBN 3-205-98560-5 Beide Bücher sind geschrieben
von Dr. Roland Girtler, Universitätsprofessor am Institut für
Soziologie an der Universität Wien.
IMPRESSUM H E R M A N N - L Ö N S - B
L Ä T T E R
Löns-Mitteilungen I/1998 Zuletzt geändert am: 20.10.2000 |